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KATHARINA LEHMANN – Black Cubes Solos

October 26, 2016 @ 12:00 - December 17, 2016 @ 18:00

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Für ihre Installation Black Cubes Solos fungieren Texturen und Ornamente aus der
Natur als Inspirationsquellen für die Künstlerin Katharina Lehmann.
Mit dem Raum, der von sieben schwarzen Würfeln eingenommen wird, vermittelt
die Künstlerin die Idee der Verbindung und Wechselwirkung aller Gegenstände,
Wege und sogar Individuen im Rahmen eines Systems, eines Mikrokosmos.
Indem sie minimalistische Ausdrucksmittel wählt, lässt sie dennoch den filigransten
Nuancen Bedeutung zukommen. Vom Weiten sieht der Betrachter nur große
schwarze gleichmäßige quadratische Flächen, aber je näher er herangeht, desto
komplexer werden diese Objekte. Die einerseits endlose, chaotische, andererseits
wie die Natur selbst perfekte Oberfläche aus kilometerlangem, ineinander
verwobenem Garn bildet die Würfel. Die Endlosigkeit der Linie und die
Beschränktheit der geometrischen Form, Chaos und System, Natur und
mathematische Berechnung – mit solchen gegensätzlichen Begriffen operiert die
Künstlerin. Der Würfel ist ein abgeschlossener Raum, der durch seine stabilen
Wände von der Außenwelt isoliert ist. Dennoch lassen die Oberflächen der Würfel
einen Blick ins Innere werfen, d. h. sie nehmen die Wirkung der Außenwelt an, sie
sind nicht abgeschnitten von ihr. Das ist, im weitesten Sinne, eine Metapher für die
heutige Welt, die auf den einzelnen Menschen, auf die Gesellschaft, auf jede
kulturelle Einheit anwendbar ist. So findet in jedem System der heutigen Welt eine
unabsichtliche oder absichtliche Wirkung des einzelnen Individuums auf seine
räumliche Umgebung statt, und umgekehrt.
Jeder Würfel besitzt im wahrsten Sinne des Wortes eine „innere Stimme“, die sich
zugleich im geschlossenen und im sichtbaren Raum befindet. Phrasen, Geräusche
und Klänge werden gleichsam von den Wänden des Würfels und von den Wänden
anderer Würfel gefiltert. Es entsteht die Illusion einer Diskussion, dennoch fehlt
eine harmonische Kommunikation und Reflexion, wie es in der modernen Welt oft
der Fall ist. Die Würfel führen eine Unterhaltung mit sich selbst, jeder in seinem
Inneren, ohne direkte Kommunikation, sie kommunizieren indirekt.
Die Form des Würfels hat ein unmittelbares Verhältnis zu den Ursprüngen der
zeitgenössischen Kunst. Die Idee des White Cube war ursprünglich als ein perfekter
Ausstellungsraum gedacht, in dem nichts das Wahrnehmen des Kunstgegenstandes
stört. In solchem Fall ist Katharina Lehmanns schwarzer Würfel eine Art Antwort
ohne Aufforderung, er ist das perfekte Ausstellungsstück.
Andererseits, wenn man die russische Kulturbasis der Künstlerin beachtet, ist die
Wahrnehmung des schwarzen Würfels unmöglich ohne den Verweis auf das
„Schwarze Quadrat“ von Malewitsch, das als absoluter Beginn der Kunst gedacht
war: Null Farbe, null Form. Hier aber existiert Form, und in ihr der Raum. Die
schwarze Farbe ist dazu berufen, von der grundlegenden Idee nicht abzulenken.
Der Hauptwürfel ist riesig im Verhältnis zu den anderen, er ist gleichsam der
Fluchtpunkt aller Ideen der Künstlerin. Chaos und Struktur, Unordnung und
Harmonie.

Kuratorin: Nadezda Voronina, Kunsthistoriken, MA

Details

Start:
October 26, 2016 @ 12:00
End:
December 17, 2016 @ 18:00

Venue

ART & SPACE Gallery
Herrnstrasse 13
München, 80539 Germany
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